HS-Code 6110

Strickwaren importieren

Zollsatz, Lieferländer & Importkosten — Leitfaden für den Import nach Deutschland.

🛃
EU-Zollsatz 12 % Drittland-Standardsatz
🇨🇳
Top-Lieferland China 45 % der EU-Importe
🚢
Transport Seefracht Typische Versandart
📦
Typische MOQ 500 Stk. Mindestbestellmenge
📋 Produktübersicht

Marktlage & Zollsatz

Strickwaren gehören mit einem EU-Zollsatz von 12,0 Prozent zu den stärker belasteten Textilkategorien im europäischen Außenhandel. Das ist kein Niedrigsatz — wer diesen Posten in seiner Kalkulation unterschätzt, wird spätestens beim ersten Zollbescheid unangenehm überrascht. Die Nachfrage nach Strickwaren in Deutschland und der EU bleibt dabei strukturell stabil: Pullover, Strickjacken und Sweatshirts zählen zu den volumenstarken Produktgruppen im Bekleidungshandel, mit deutlichen Saisonspitzen im Herbst- und Wintergeschäft. Gleichzeitig wächst der Druck durch Fast-Fashion-Plattformen, die Endverbraucherpreise unter Druck setzen — was den Einkaufspreis für Importeure zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor macht.

Herkunftsländer im Vergleich

China, Bangladesch und Indien dominieren den globalen Markt für Strickwaren, unterscheiden sich aber erheblich in dem, was sie einem Importeur konkret bieten. China punktet mit breiter Produktionskapazität, kurzen Entwicklungszyklen und hoher Liefertreue, hat aber in der Preisgestaltung gegenüber früheren Jahren an Attraktivität verloren — und profitiert von keinem Präferenzabkommen mit der EU. Bangladesch hingegen genießt als am wenigsten entwickeltes Land den zollfreien Zugang zum EU-Markt unter der APS-Regelung Everything But Arms, was die 12-Prozent-Zollbelastung vollständig entfallen lässt — ein erheblicher Kostenvorteil, der allerdings den Nachweis des präferenziellen Ursprungs erfordert. Indien verfügt über starke Kapazitäten im Bereich hochwertiger Naturfasern, insbesondere Wolle und Kaschmir, und verhandelt derzeit ein Freihandelsabkommen mit der EU, das zukünftig weitere Präferenzen schaffen könnte.

Häufige Klassifizierungsfehler

Bei der Zolltarifierung unter HS-Code 6110 passieren erfahrungsgemäß wiederkehrende Fehler. Häufig werden Strickwaren fälschlicherweise unter 6109 (T-Shirts, Unterhemden) oder 6211 (gewebte Anoraks und Jacken) eingereiht, weil Lieferanten die Ware uneinheitlich beschriften oder weil Mischkonstruktionen aus Strick- und Gewebeanteilen die Einreihung erschweren. Zollbehörden achten bei Strickwaren besonders genau auf die Maschenstruktur, den Fasergehalt und die Konfektionierungsmerkmale — denn diese bestimmen sowohl die korrekte Position als auch den anwendbaren Zollsatz. Eine Falschklassifizierung kann Nacherhebungen, Strafzuschläge und bei wiederholten Verstößen empfindliche Bußgelder nach sich ziehen. Im Zweifel ist eine verbindliche Zolltarifauskunft beim Hauptzollamt die einzig verlässliche Absicherung.

EU-Compliance-Anforderungen

Für das Inverkehrbringen in der EU unterliegen Strickwaren der EU-Textilkennzeichnungsverordnung (EU) Nr. 1007/2011. Diese schreibt vor, dass jedes Kleidungsstück mit einer vollständigen Faserzusammensetzung in der Landessprache des Zielmarkts gekennzeichnet sein muss — auf dem Etikett, nicht nur in der Begleitdokumentation. Darüber hinaus greift die REACH-Verordnung, wenn Strickwaren chemisch behandelt wurden, etwa durch Flammschutz- oder Pflegefinishes, die Schadstoffe wie Azo-Farbstoffe oder Formaldehyd enthalten können. Für Kinderstrickwaren gilt zusätzlich erhöhte Sorgfalt bei mechanischen Anforderungen wie Zugkräften an Schnüren und Kordeln gemäß EN 14682.

Praxistipp

Ein konkreter Hebel zur Kostensenkung: Wer Ware aus Bangladesch bezieht, sollte bereits in der Bestellphase darauf bestehen, dass der Lieferant das korrekte Ursprungszeugnis Form A oder — seit der GSP-Reform — den Registered Exporter Status (REX) besitzt und die Ursprungserklärung auf der Rechnung ausweist. Fehlt dieser Nachweis bei der Einfuhr, wird der volle Zollsatz von 12 Prozent fällig, obwohl ein Anspruch auf Nullzoll bestünde — und eine nachträgliche Erstattung ist zwar möglich, aber zeitaufwendig und keineswegs garantiert.

Zoll 12 % Kein Anti-Dumping HS 6110
🌍 Top-Beschaffungsländer
🇨🇳 China
45 %
🇮🇳 Indien
18 % GSP-Vorteil
🇻🇳 Vietnam
16 % GSP-Vorteil
🇧🇩 Bangladesch
21 % GSP-Vorteil
🚚 Transport & Logistik
🇨🇳 Werk
→
🚢 Seehafen
→
🇩🇪 Hamburg
→
🏬 Lager

Empfehlung: LCL (Sammelcontainer) ab 2.000-3.000 Einheiten sinnvoll. FCL ab ca. 8.000-10.000 Einheiten wirtschaftlicher.

💡 So importieren Sie Strickwaren erfolgreich
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Textilkennzeichnungsverordnung nutzen: Strickwaren müssen gemäß EU-Textilkennzeichnungsverordnung (1011/2011) mit Faserzusammensetzung, Herkunftsland und Pflegeanleitung gekennzeichnet sein – eine frühe Prüfung mit dem Lieferanten spart Verzögerungen beim deutschen Zoll.
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Zollpräferenz GSP+ prüfen: Strickwaren aus GSP+-Ländern (z.B. Marokko, Armenien) können 0 % Zoll profitieren statt 12 % – eine Herkunftsbestätigung und A-Formular im Voraus reduzieren Ihre Importkosten erheblich.
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REACH-Konformität für Farbstoffe sichern: Strickwaren unterliegen der REACH-Verordnung insbesondere bei Textilhilfsstoffen und Farbmitteln – fordern Sie vom Lieferanten eine REACH-Konformitätserklärung an, um Beanstandungen durch deutsche Behörden zu vermeiden.
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Feuchtigkeitskontrolle bei Lagerung: Strickwaren aus natürlichen Fasern (Wolle, Baumwolle) sind anfällig für Schimmel und Mottenfraß – transport- und lagerseitig sollten Sie auf Feuchtigkeitsregler und korrekte Verpackung bestehen, um Qualitätsverluste zu vermeiden.
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Größen- und Gewichtskalibrierung: Bei Strickwaren variieren Maße und Gewichte nach Fadenzahl und Maschenstruktur erheblich – eine Verifikation der Grammaturen und Abmessungen vor dem Versand verhindert Diskrepanzen bei der Zollabfertigung und Retouren.